Wie erlernt man Disziplin?

Disziplin generiert den Erfolg.
Disziplin generiert den Erfolg.

Das Leben ist zu kurz, um sich im Dauerzustand der Unproduktivität, Prokrastination, Inkonsequenz und des Misserfolgs zu befinden. Jeder möchte schnell erfolgreich, souverän, kompetent und mental ausgeglichen sein. Genau so wie erfolgreiche Menschen eben wirken. Wenn man sie spontan nach ihren Erfolgsgeheimnissen fragt, wird oft erwidert: 95 % Fleiß und 5 % Glück. Nach Thomas Edison variiert die Antwort in: 99 % Schweiß und 1% Inspiration.

Der Fokus erfolgreicher Personen liegt demnach nicht, wie oft vermutet, allein auf der Leistungsoptimierung, der Flexibilität in Kompetenzgebieten oder der kognitiven Akzeleration des Lernprozesses. Sondern auf Disziplin und Durchhaltevermögen. Doch bei dem Gedanken an Disziplin und ununterbrochenem „Arbeiten“ schrecken die meisten Menschen bereits zurück. Der materielle Aufwand und der mentale Druck implizieren eine zu hohe Erwartungshaltung. Es ist wie bei der Ernährungsumstellung oder dem Sport, wie beim Trading oder dem Sprachenlernen: ohne Disziplin gelingt überhaupt nichts.

Aber warum fehlt uns oft die Disziplin? Weshalb ist sie so schwierig zu erlernen? Und wie kann man sich diese Tugend doch noch aneignen?

Disziplin ist eine Tugend – keine Perfektion

Disziplin ist ein uraltes Verhaltensmuster, das bereits in der Antike von Philosophen und Gelehrten erkannt und angewandt wurde. Wörtlich umkreist Disziplin die Bereiche „Schule, Zucht und Lehre“. Sie bezieht sich dabei insbesondere auf unabdingbaren Gehorsam und loyalem Befolgen einem Vorgesetzten gegenüber.

Die zweite Definition, die erst später in den Fokus kam, betont vor allem die persönliche mentale Stärke. Grundsätzlich meint sie einen Charakterzug mit expliziter Selbstbeherrschung. Laut Duden ist Disziplin „das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen”. Dies ist bei den meisten Menschen jedoch die größte Schwäche. Wer will sich schon als schwach, faul oder feige bezeichnen? Ein Bewusstsein zu haben für die eigenen Pflichten, ein Verantwortungsgefühl sich selbst und anderen gegenüber, Durchsetzungsvermögen usw. sind Social Skills, die leider immer mehr in der Gesellschaft verloren gehen oder zumindest in den Hintergrund der persönlichen Entwicklungsbildung rücken. Dies macht es umso schwieriger, die eigene Charakterbildung frühzeitig zu schärfen.

Disziplinierte Menschen haben allerdings hohe Ansprüche an sich selbst und verstärken dies mit schier bedingungslos anhaltendem Engagement. Sie geben niemals einfach auf, bevor sie nicht alle Optionen ausgeschöpft haben. Sie machen immer weiter, scheitern aber auch. Doch jede Niederlage ist nicht etwa ein Indiz, einen Prozess abzubrechen. Nein. Sie ist fast immer ein Hinweis darauf, etwas übersehen zu haben, nachzudenken, bisherige Vorgänge zu reflektieren, um eventuell neue Wege einzuschlagen. Misserfolge hindern sie also nicht daran, ihre Ziele zu verfolgen und sich geschlagen zu geben, wie es den meisten Menschen ergehen würde.

Denn sie gestehen sich ein und akzeptieren, dass manche Etappen auch mal nicht erreicht werden können, wenn es zunächst keinen Ausweg gibt. Disziplinierten Leuten ist nämlich klar, dass niemand perfekt sein kann und niemand alles (sofort) schaffen kann. Aber sie wissen, dass mit Arbeitseifer, Durchhaltevermögen und einem Ziel vor Augen jedes Projekt letztlich vielleicht doch erfolgreich realisiert werden kann.

Erfolgreiche disziplinierte Menschen sind folglich nicht perfekt – im Gegenteil. Aber sie haben großen Willen, es zu schaffen und bleiben auch in schweren Zeiten geduldig und besonnen. Sie wissen, dass vor allem die schwierigsten Phasen überwunden werden müssen, um letztlich erfolgreich sein zu können. Dadurch sind Geduld und Disziplin höchstes Gut und das größte Merkmal erfolgreicher Menschen.

Warum ist es so schwierig, diszipliniert zu sein und zu bleiben?

Es ist ganz einfach: Höre auf, dich selbst zu belügen und ändere deine bisherigen „schlechten“ Gewohnheiten. Jedem ist bewusst: Die Einstellung macht definitiv den Unterschied. Doch Versuchungen lauern an jeder Ecke. Die Werbung, der Freundeskreis oder Social Media sind tägliche Prüfungen, die immerzu an unserem Durchhaltevermögen zehren. Wie kann man bei all dem überhaupt diszipliniert bleiben?

Innere Ängste und angelernte Gewohnheiten blockieren Motivation und Disziplin.
Innere Ängste und angelernte Gewohnheiten blockieren Motivation und Disziplin.

Es gibt sie wie Sand am Meer: zahlreiche Bücher und Coaches, die unentwegt erklären, definieren und empfehlen, wie man sich Disziplin aneignen kann. Doch egal, wie viel man darüber gelesen, gelernt oder gehört hat: am Ende hapert es an der persönlichen Gemütslage und mentalen Einstellung. Denn die Macht der Gewohnheit zwingt uns zum Verhalten zurück, das jahrelang erlernt, erprobt und beibehalten wurde. Denn erlernte Verhaltensmuster sind tief im neuronalen Netzwerk des Gehirns, den Basalganglien, verwoben. Genau dort, wo sich Angewohnheiten zu automatischen Handlungen ausbilden, den Automatismen. Das hat zur Folge, dass alltägliche Handlungsweisen, ob gute oder schlechte, automatisiert, beinahe instinktiv, ablaufen. Sind Gewohnheiten erst einmal fest gespeichert, kann man sie weder ändern, noch einfach löschen. Sie können nur überschrieben, also mit etwas Besserem ersetzt werden. Dies hängt mit dem Belohnungszentrum zusammen. Ist das Ergebnis einer neuen Handlungsweise mit einer starken emotionalen Belohnung behaftet, wird das neue Verhaltensmuster bevorzugt und „ersetzt“ quasi die alte Gewohnheit.

Unser Gehirn wertet unsere Erlebnisse in positive und negative Erfahrungen aus und speichert sie mit den damit erworbenen Verhaltensmustern. Und welches Verhaltensmuster wird am ehesten gespeichert? Das mit enormen Einsatzpotenzial oder das mit geringerem Energieaufwand? Das erste de facto, weil mehr Stress und Hormonschwankungen im Körper bestehen. Sobald auch nur ansatzweise ein Stressmoment im Körper ausgelöst wird, werden mehr körpereigene Prozesse in Gang gesetzt, die oft ein starkes emotionales Bild hervorrufen. Und wenn etwas starke Gefühle auslöst, verfestigt sich dies im Unterbewusstsein.

Herausforderungen werden dadurch immer mit Stress und Mehraufwand assoziiert, wodurch es schwierig wird, erlernte und gewohnte Verhaltensformen zu überwinden und sich neue anzueignen. Wie können Herausforderungen aber nicht als Stressfaktor, sondern als Erfolgspotenzial gesehen werden?

Ohne Fleiß kein Preis

Diese Redewendung kennt so ziemlich jeder. Denn ohne Mühe und Disziplin gibt es kein Weiterkommen. Dabei setzt der anstrengende erste Schritt der Überwindung doch erst den Erfolgsmoment frei. Dieser ist ja der erstrebenswerte Punkt, der erarbeitet werden will. Aber wie?

Disziplinierte Menschen haben ein erhebliches Verantwortungsgefühl und eine hohe Arbeitsmoral. Es ist ihnen wichtig, dass Probleme im allgemeinen Konsens gelöst und Angelegenheiten rechtzeitig erledigt werden, ohne sich selbst und die eigenen Bedürfnisse allzu sehr zu vernachlässigen. Sie arbeiten und handeln weitgehend automatisiert, wenn es um alltägliche Aufgaben geht, können jedoch Entscheidungen bewusst und selbst bestimmt treffen, wenn komplizierte Problemlösungen gefordert sind. Auch Pausen setzen sie bewusst ein, weil sie wissen, dass sie nur mit einem regenerierten Körper und Geist leistungsstabil bleiben können. Sie bleiben in nahezu allen Situationen besonnen und Vernunft orientiert. Wie geht das?

Selbstkontrolle beim Arbeiten. Auch Pausen sind bewusst gesetzt.
Selbstkontrolle beim Arbeiten. Auch Pausen sind bewusst gesetzt.

Wie oben bereits erwähnt: sich selbst zu kontrollieren ist der Schlüssel. Es fehlt oft am Bewusstsein sowohl für die eigenen Belange, als auch über den Antrieb für den Alltag oder von individuellen Zielen. Man muss sich also klar machen, was einen persönlich ausmacht.

Jeder kennt das unangenehme Gefühl, wenn Dinge über Tage hinausgezögert werden und dadurch unerledigt bleiben. Niemand fühlt sich dabei besonders wohl. Disziplinierte Leute jedoch nutzen dieses Unwohlsein als Ansporn und Energie, die pendenten Aufgaben doch zu beginnen, oder gerade deswegen.

Es muss einem also bewusst sein, dass die gegebene Situation langfristig nicht wirklich erträglich ist und die einzige Lösung das Ändern des eigenen Verhaltens ist. Damit ist die Konsequenz eindeutig: man muss sich von verhärteten Strukturen lösen und eine neue, vor allem mentale Herangehensweise ermöglichen.

Aus dem Affekt zu handeln ist das Gegenteil von Disziplin

Menschen, die besonders spontan und aus Situationen heraus agieren, haben die größten Schwierigkeiten, Disziplin zu erlernen. Sie lassen sich schnell aus dem Konzept bringen und erfahren durch kleinere Einschnitte Unsicherheit, sei es durch die Verschiebung der Tages-Agenda oder aufgrund unvorhergesehener Vorfälle oder Hindernisse. Diese Unsicherheit bringt die Impulsivität hervor, die die Entscheidungsfindung, besonders bei emotionalen Fragen, erschwert.

Sie handeln aus dem Affekt heraus, was das Gegenteil von diszipliniertem Verhalten ist. Launisches, stark Stimmungsschwankungen ausgesetztes Agieren ist demnach ein hinderliches Unterfangen. Diese Menschen – und nur wenige von ihnen geben es zu – sind im Dauerzustand psychischer Angespanntheit. In solch einem Modus verharrt, kann weder etwas Sinnvolles hervorgebracht, noch ein Problem Vernunft orientiert gelöst, geschweige denn eine Kompetenz erlernt werden. Und schon gar nicht Disziplin.

Diszipliniertes vs. affektiertes Handeln
Diszipliniertes vs. affektiertes Handeln

Solange dieses affektierte Verhaltensmuster nicht erkannt und bewusst als Problem dargelegt wird, kann Disziplin nicht erlernt werden. Man muss sich also fragen, ob man in schwierigen und herausfordernden Situationen die Selbstkontrolle beherrscht und logisch denkt oder aus dem Affekt heraus mit einem Bauchgefühl über die nächsten Schritte entscheidet. Auch wenn affektiertes Handeln Kreativität mit sich bringt, steht es der Disziplin doch entgegen.

Förderlich ist es, sich von den Problemen emotional zu lösen. Erfährt man schwierige Situationen eher als neutral oder gar gleichgültig und nimmt man Herausforderungen mutig an, wird es leichter, Vernunft orientiert zu denken und zu handeln.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr?

Es wird oft behauptet, dass sich bereits im Kindesalter sprichwörtlich die Spreu vom Weizen trennt. Diejenigen, die schon früh die Fähigkeit zur Selbstdisziplin erlernen, erzielen als Erwachsene deutlich mehr Erfolge; und zwar in allen Bereichen des Lebens. Zahlreiche Studien bestätigen diese Vermutung. Sie leben gesünder, zufriedener und meist ausgeglichener. Selbstkontrolle und Ausdauer, also Disziplin, müssen demnach bedingungslos als Kind erlernt werden, um auch in schwierigen oder überforderten Situationen kontrolliert, bedacht und lösungsorientiert reagieren zu können. Die elterlichen Erziehungsmethoden sind damit äußerst relevant.

Warum aber ist das so? Liegt es daran, weil es im Alter schwierig ist, erlernte Verhaltensformen zu ändern? Zum Großteil ja. Wir Menschen sind bekanntlich Gewohnheitstiere und aus Bequemlichkeit verlieren wir oft jegliche Motivation, den eigentlichen Arbeitsprozess abzuschließen oder gar erst zu beginnen. Wir wählen fast immer den einfacheren Weg und setzen uns nur ungern Herausforderungen aus.

Sind folglich undisziplinierte Personen für immer hoffnungslose Loser? Nicht ganz. Es gibt tatsächlich Möglichkeiten, die schlechten Angewohnheiten abzulegen und mit besseren zu ersetzen. Die Anforderungen liegen hier, wie oben schon erwähnt, bei einem selbst. Es bedarf eines großen Willens, seine mentale Schwäche in eine Stärke zu wandeln. Es ist ein langwieriger Prozess, der im Durchschnitt ein halbes Jahr dauern kann. Es muss also Zeit investiert werden. Zeit, die vor allem für das mentale Training entscheidend ist. Nur wer willens ist, sich seinen Schwächen und gegebenenfalls seinen tiefsten Kindheitswunden zu stellen, kann sich überwinden und Disziplin erlernen. Durch regelmäßiges Training mit Hilfe der „9 Schritte, Disziplin zu erlernenkann auch der leidigste Prokrastinierende schließlich Disziplin erlernen.

ncl

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