Warum Digital Detox in Zeiten von Corona überlebenswichtig ist

Die tägliche Dosis besorgniserregender Nachrichten.

Ein Virus geht um die Welt und verursacht einen globalen unerwarteten Stillstand in sozialen sowie wirtschaftlichen Belangen. Ökonomische Einbußen vermehren tagtäglich die Sorgen der Unternehmer, Arbeitnehmer und Selbstständigen. Tausende Menschen verlieren ihre Jobs. Die Welt steht Kopf. Die Pandemie fordert jeden Tag Hunderte von Toten, weltweit, und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Die Menschheit ist derzeit aufgefordert, zu Hause zu bleiben und bedingungslos digital zu kommunizieren. Virtuell und digital zu sein, ist nun nicht mehr die Zukunft. Sie ist mit einem Schlag die Gegenwart. Home Office, Homeschooling, virtuelle Konferenzen und Video-Calls gehören in diesen außergewöhnlichen Zeiten plötzlich zum Alltag. Um hier nicht den Überblick zu verlieren oder gar affektiv zu eskalieren, ist Digital Detox zur überlebenswichtigen Notwendigkeit geworden.

Digital Detox ermöglicht Zeit für sich selbst und für einander

Diese außergewöhnliche Zeit birgt Chancen. Unabhängig von beruflichen Veränderungen ermöglicht diese „Home Stay“-Phase auf einmal mehr Zeit. Wertvolle gemeinsame Stunden mit dem Partner oder der Partnerin oder mit den eigenen Kindern. Und noch viel wichtiger: Zeit für sich selbst. Um über die eigenen aktuellen Bedürfnisse, Wünsche und Pläne nachzudenken. Um wieder zu sich selbst zu finden, ohne große Ablenkung von außen. Sei sie von Seiten der Arbeitsstelle, durch soziale Interaktionen, Sport- oder Lernkurse, ärztliche Vorsorgetermine oder kulturelle Anlässe. Alle Einflüsse von außen sind aufs Minimum reduziert.

Die restliche Zeit ist minimal fürs Home Office nutzbar. Darüber hinaus bleibt jetzt viel übrig. Endlich kommt man auch zu Angelegenheiten, die sonst vor sich hergeschoben werden. Eigene Projekte, die maximal in den Urlaub verlegt wurden, die jetzt Stück für Stück umgesetzt und abgearbeitet werden können, weil man plötzlich gezwungen ist, zu Hause zu bleiben.

Digital Detox bringt Entspannung und fördert die Konzentrationsfähigkeit

Um nicht die ganze Zeit vor dem Bildschirm zu sitzen, um die neuesten Infektionszahlen oder aktuellsten Regierungsbeschlüsse zu erfahren, ist es ratsam, digital etwas kürzer zu treten. Hierbei ist Digital Detox die Notwendigkeit, sich in extremen Stressphasen und sorgenvollen Zeiten emotional entlasten und entspannen zu können. Digital Detox bedeutet wörtlich „digitale Entgiftung“ und ist auch unter dem Begriff „Offline-Urlaub“ bekannt. Er deutet auf die krankmachende Gefahr der digitalen Medien hin, wenn sie im Übermaß genutzt werden.

In Zeiten von Corona werden die Nachrichtendienste mehr denn je abgerufen, sodass emotional und mental eine Über(be)lastung entsteht. Ständige Erreichbarkeit per Smartphone und sozialer Apps, Dauerbeschallung durch Smartphones, Laptops oder Tablets sowie ein Überangebot an Nachrichtensendungen zu den heikelsten Themen verursachen akute Aufmerksamkeitsstörungen sowie chronische Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit. Sie bringen die Nervenzellen in ununterbrochene Aufruhr, sodass eine Überreizung und Reduzierung der Gehirnkapazität erfolgt. Die Aufmerksamkeit wird stark eingeschränkt, die eigene Produktivitätskraft sinkt. Solche Diagnosen zeigen, dass die berufliche Einschränkung und damit erhöhte freie Zeit nicht weniger sorgenvoll ist.

Sorgenvolle Zeiten begünstigen Dauerstress und Burnout

Auswirkungen der Smartphone-Sucht.

Wenn nicht schnell darauf reagiert wird – gerade in außerordentlichen Zeiten wie in denen von Corona – kann im schlimmsten Fall Burnout diagnostiziert werden. Da hilft es nicht, zu Hause zu bleiben, um sich vor den Mitmenschen und vor dem Virus zu schützen. Auch daheim darf man seine mentale, körperliche sowie emotionale Schwäche nicht unterschätzen. Gerade in einer sorgenvollen Phase wie in dieser darf man sich selbst nicht vergessen. Selbstschutz ist ein wichtiges Unterfangen. Vor allem bei mentalen sowie emotionalen Bedürfnissen.

Dauerstress wird meist durch negative Nachrichten oder persönliche Teilnahme in Gang gesetzt. Diese digitale Dauerbelastung fördert die Schwächung des ganzen Immunsystems, sodass letztlich die Gefahr der Infizierung so stark erhöht wird, dass jeder äußerliche Schutz nichtig werden kann. Das Augenmerk muss auf der Wahrung der körperlichen, aber vor allem der psychischen Stärke liegen.

Studien haben ergeben, dass die digitale Dauerbelastung in Krisenzeiten lebensgefährlich sein kann. Chronischer Stress aufgrund von täglichen Sorgen in finanziellen, gesundheitlichen sowie sozialen Aspekten kann die eigene Immunabwehr derart schwächen, dass der Körper kollabiert und sich nur mühsam regeneriert. Dadurch sterben in Krisenzeiten meist mehr Menschen an seelischer Überforderung bezüglich der persönlichen Umstände als am Auslöser des Notstandes selbst. Dies beweist, wie wichtig es ist, auf seine mentale und emotionale Stabilität zu achten.

8 Wege, Digital Detox in den Alltag einfließen zu lassen

Um alle negativen Auswirkungen zu verhindern, ist eine stressfreie Balance vonnöten. Deshalb kommen hier 8 Wege, digital zu entschlacken, um sich selbst zu schützen, ohne rückständig zu wirken:

1. Verhaltensüberblick

Zunächst ist es ratsam zu überprüfen, wo und wann die Gefahren der digitalen Überlastung stattfinden. Da hilft es, über einen Zeitraum von mehreren Tagen zu dokumentieren, wann, wo und wie lang digitale Medien im Einsatz sind. Diese Verhaltensaufnahme sollte so nüchtern und ehrlich wie möglich erfolgen.

Nach mindestens zwei Tagen ist meist bereits ersichtlich, wann ein Überangebot an Weltnachrichten, Neuigkeiten, Mitteilungen per SMS, E-Mails oder Anrufen, und Statusberichten in Social Media-Apps vorhanden ist. Wenn dieses erkannt ist, kann bewusst darauf reagiert werden. Ist erst einmal ein Bewusstsein für ein Fehlverhalten gebildet, können die nachfolgenden Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

2. Handy-freie Zonen

Das Smartphone ist die Ablenkungsfalle schlechthin. Deshalb ist es nötig, die Nutzung auf ein paar wenige räumliche Möglichkeiten zu reduzieren. So sind Verbotszonen für Smartphones in der Wohnung ein sehr effektiver Weg. Sowohl das Bett, in dem man sich morgens und abends auf das Aufwachen bzw. Schlafen einstellen soll, als auch die Sanitärbereiche wie das Bad und die Toilette, in dem es zur Hygiene-Grundlage gehört, keine leicht zu infizierenden sowie oft genutzten Gegenstände mitzunehmen, gehören definitiv zur Handy-freien Zone.

Auch der Schreibtisch muss zur Smartphone-freien Zone erklärt werden. Gerade beim konzentrierten Arbeiten am Laptop ist das Smartphone, welches App-Benachrichtigungen in Dauerschleife meldet, der größte Produktivitätskiller überhaupt.

3. Digitale Daten-Ordnung

Wir räumen täglich unsere Wohnungen auf und misten jährlich unsere Briefe, Kleidung und Altgeräte aus. Doch tun wir das auch mit den digitalen Medien? Wer mistet regelmäßig überflüssige Apps, Fotos, Dateien und Daten im Laptop, Smartphone oder Tablet aus? Zu wenige.

In der Tat ist es wichtig, auch in den digitalen Geräten einmal nachzuschauen und Nutzloses sowie Entbehrliches direkt zu löschen und vieles von Grund auf neu zu ordnen. Denn „Ordnung auf dem Bildschirm bringt Ordnung im Kopf“. Mit einem geordneten Arbeitsplatz, dem Laptop oder dem Smartphone, lernt und arbeitet es sich zielgerichteter, mit weniger Ablenkung und deutlich effektiver. Folglich ist es ratsam, jedes Quartal einmal digital auszumisten.

4. Achtsamkeit mit Offline-Zeit

Achtsamkeit ist ein wichtiges Thema. In sorgenvollen Zeiten mit täglichen unangenehmen Nachrichten verliert man leicht den Überblick über das Weltgeschehen. Dadurch überfordert man sich selbst und verliert sich in den Bedürfnissen des Alltags. Hierbei ist es hilfreich, sich beispielsweise morgens, direkt nach dem Aufstehen, oder abends, vor dem Zubettgehen, 20 bis 30 Minuten digitale Offline-Zeit zu gönnen. Zeit, in der man sich bewusst auf den Ist-Zustand konzentriert. Ohne digitalen Einfluss. Indem pure Achtsamkeit, bspw. in Form von Bittgebeten oder „5-Minuten-Journaling“, gelebt und Dankbarkeit für die allgemeine Gesundheit, den finanziellen Rückhalt oder den Moment der Ruhe und Glückseligkeit verspürt wird.

In Krisenzeiten bietet dieses stille Sich-Zurückziehen einen großen mentalen Mehrwert, in welchem emotionale Kraft getankt und Stress sowie Sorgen abgebaut werden können. Wem dies zu viel Überwindung kostet, kann auch beim Essen einmal das Handy ausschalten, sodass das Mahl bewusst und entspannt genossen werden kann. Ohne aufreibende Ablenkung von außen.

5. Push-Mitteilungen abschalten

Was in Punkt 2 bereits angedeutet wurde, sind die lästigen Push-Mitteilungen der Apps, womit jedes Smartphone zur Dauerkommunikation auffordert. Der Großteil dieser Benachrichtigungen ist in der Tat unwichtig. Man wird darüber beim nächsten App-Besuch sowieso in Kenntnis gesetzt, weshalb es ein Muss ist, diese Mitteilungen schnellst möglich auszuschalten. Auch Lesebestätigungen und Text-Benachrichtigungen aus sämtlichen Gruppenchats sollten deaktiviert werden, da auch sie den Tagesablauf stören und das konzentrierte Arbeiten oftmals unnötig unterbrechen.

Eine selbstbestimmte Kommunikation ist hier die bessere Alternative. Zeitpunkte bewusst auszuwählen, in denen man sich den digitalen Medien widmet. Wenn die Rahmenbedingungen für alle digitalen Kommunikationswege selbstbestimmt werden, wird der unbewusste psychische Druck, permanent kommunikativ erreichbar zu sein, deutlich abgebaut. Die körperliche Spannung nimmt ab, der Stresspegel sinkt und das Immunsystem regeneriert sich stetig.

6. Browserfunktion nutzen

Ein weiterer Schritt ist es, alle sozialen Apps auf dem Smartphone zu löschen.Klingt radikal, ist aber notwendig, wenn die App-Sucht langsam Überhand nimmt. Jede soziale App, wie Facebook, Instagram, Pinterest, Twitter, Tinder, Gmail u.a. – auch Spiele-Apps sind hiervon betroffen -, kann vollständig im Browser abgerufen werden. Der Vorteil: die lästigen Push-Mitteilungen entfallen und die Nutzung wird auf ein selbst bestimmtes Zeit-Limit beschränkt. Denn per App werden wir unentwegt verleitet, aufs Smartphone zu schauen, ob es Neuigkeiten gibt, um ja keine Nachricht zu verpassen. Sind wir jedoch gezwungen, den Status jedes Mal im Browser aufzurufen, verringert sich die Neugierde und die Dauernutzung um ein Vielfaches.

7. Standby-Modus ablegen

Ständig im Standby-Modus zu sein, erhöht den psychischen Druck, äußerst wichtige Nachrichten zu verpassen. Wie im Punkt 5 bereits beschrieben, verstärkt die dauerhafte Erreichbarkeit und kommunikative Verfügbarkeit die körperliche und mentale Spannung im Organismus. Aus diesem Grund ist es wichtig, zunächst den Standby-Modus des Smartphones oder Laptops abzulegen. Ist die Arbeit am Laptop beendet oder das vorgegebene Zeit-Limit am Smartphone erreicht, kann das Gerät ausgeschaltet werden.

Es eignet sich, zwei große Zeitabschnitte am Tag festzulegen, die das Arbeitspensum und das Erfassen der aktuellen Nachrichten überspannen können. Wenn die Zugangsbeschränkung auf die digitalen Medien unter der Woche ungünstig erscheinen, reicht es auch, am Wochenende mit einer deutlichen Reduzierung der Mediennutzung zu beginnen. Wichtig ist, das Zeitlimit von beispielsweise von 2 bis 3 Stunden auszuprobieren, damit die überflüssige Nutzungsphase erfasst und eingeschränkt werden kann.

Um die Leute im Bekannten- und Verwandtenkreis nicht zu irritieren, bietet es sich an, eine Art Abwesenheitsnotiz zu aktivieren. Darin kann beispielsweise mitgeteilt werden, dass es probeweise ab sofort zu Einschränkungen in den persönlichen digitalen Öffnungszeiten kommt und man weitgehend ausschließlich in den benannten Zeitphasen erreichbar sein wird.

8. Digitale Balance vor- und ausleben

Digital Detox ist nicht nur ein kurzfristiger Aufruf zur bewussteren Nutzung digitaler Medien, sondern ein langfristiger Gewinn an körperlicher und mentaler Gesundheit. In sorgenvollen Zeiten wie diesen ist es von unbedingter Notwendigkeit, den digitalen Einfluss zu reduzieren, um sein Immunsystem aufrecht zu erhalten, sodass weder ein bedrohlicher Virus noch der chronische Stress zur Gefahr werden können.

Digitale Balance muss demnach nicht nur aus-, sondern auch vorgelebt werden. Um auch sein Umfeld vor etwaigen Risiken zu schützen, muss jeder Beteiligte eine Vorbildfunktion einnehmen. Die Informationen weiterzugeben sowie aufzuzeigen, wie der Selbstschutz gewährt werden kann, ist hier enorm wichtig. Wir wollen schließlich nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen und Liebsten in bester Gesundheit wähnen.

Wer sich mit dem Thema Digital Detox und die obigen digitalen Entschlackungs-Möglichkeiten noch weiter auseinandersetzen möchte, kann sich in sämtlichen Digital Detox Publikationen reichlich Input holen.

ncl

Inspiration und Quelle: Eggler, Anitra: „Das Digital Detox Buch“. Like Publishing, Wien 2019.

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