Wie der Darm unsere Gehirnleistung beeinflusst

Der Darm ist bekanntlich das zweite Gehirn.

Frische Luft, Wasser, Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress sind die großen Einflussfaktoren, die unser Gedächtnis essentiell beeinflussen? Falsch gedacht.

Denn neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge gibt es einen noch bedeutsameren Einflussfaktor auf unser Gehirn, der in der Forschung zuvor ein kümmerliches Schattendasein führte: nämlich unseren Darm. Das liebevoll betitelte “zweite Gehirn” hat demzufolge weit mehr in unserem Körper zu sagen und zu beeinflussen, als man bisher angenommen hatte. 

Die Darm-Hirn-Achse: der Kommunikationsweg zwischen Gehirn und Darm

Studien haben ergeben, dass über die sog. “Darm-Hirn-Achse” ein reger Austausch zwischen dem Darm und dem Gehirn besteht und zwar in einer solchen Intensität, dass der Begriff des “zweiten Gehirns” nicht annähernd den Einfluss des Darms auf den Körper und insbesondere aufs Gehirn beschreibt. Denn der Darm erhält nicht nur Informationen vom Gehirn, sondern sendet selbst und autonom Signale zum Gehirn. 

Die intensive und wechselseitige Kommunikation erfolgt über den sog. Vagus-Nerv, der die direkte Verbindung zwischen Darm und Hirn darstellt. Dieser Nerv ist u.a. auch für den Herzschlag verantwortlich. Der Kommunikationsweg erfolgt über Stoffwechselprodukte, Hormone und direkte Nervenzellen. Vor allem über Immunzellen wird zwischen Darm und Gehirn vermittelt, wovon jedoch 90% der Signale direkt vom Darm ausgehen. Das bedeutet, dass sämtliche Vorgänge, die im Darmtrakt passieren, Signale ans Gehirn geben und dadurch die Gedächtnisleistung beeinflussen. Folglich wird Stress ausgelöst, da bspw. eine defekte Darmflora ununterbrochen Signale ans Gehirn sendet und so das Stressempfinden moduliert. 

Über den Vagus-Nerv werden Krankheiten übermittelt, wenn sie sich bereits im Darm befinden. Dann beginnen auch im Gehirn bereits Nervenzellen abzusterben und Fehlfunktionen des Gedächtnisses entwickeln sich. Die Mikrobiotika im Darm, auch Darmmikroorganismengemeinschaft genannt, kommunizieren, indem sie Stoffe bilden, die über die Darmschleimhaut erkannt und dann über den Vagus-Nerv Informationen zum Gehirn senden. 

Ein Ungleichgewicht in der Darmflora bewirkt eine Störung in der Darm-Hirn-Achse und dem zentralen Nervensystem, wodurch ein erhöhtes Risiko entsteht, dass eine gewichtige Anzahl an Nervenzellen absterben oder gar Schäden an der Gehirnstruktur entstehen.

Die Vielfalt der Darmbakterien reduziert sich bei schlechter Nahrung drastisch.

Eine defekte Darmflora löst den Stress aus

Die über 1000 verschiedenen Sorten von Darmbakterien haben einen enormen Einfluss auf das Gedächtnis und die Emotionen. Bei einer defekten Darmflora werden bestimmte Funktionen im Gehirn beeinflusst, was insbesondere die emotionalen und psychologischen Vorgänge betreffen. Auch Depression oder gar Alzheimer wird vom Darm aus gesteuert, weshalb die Regulierung der Darmflora ein wichtiger Teil bei der Behandlung depressiver Störungen ist. 

Im Darm werden beispielsweise 90% des Glückshormons Serotonin produziert, das wie Medizin wirkt und bei der wirksamen Behandlung von psychischen Störungen von großer Bedeutung ist. Aber auch der Darm benötigt und verbraucht für den Vorgang der Informationsübermittlung in der Darm-Hirn-Achse viel Serotonin. Dies ist der Grund, weshalb eine zu starke Belastung des Darmtraktes enorme Stressreaktionen auslöst. 

Der Darm hat also das Sagen, wenn es um Stressfaktoren und Gehirnleistungen geht. Er ist das einzige autonom, unabhängig und eigenständig agierende Organ unseres Körpers. Selbst nach einer Extraktion des Darms arbeitet dieser selbstständig in der gewohnten Aktivität, bspw. der Verdauung, weiter, ohne jeglichen Einflusses von außen. 

Die Darmbakterien beeinflussen das Gehirn.

Die Wechselwirkung führt zum ewigen Kreislauf

Das Problem hierbei liegt in der Wechselwirkung. Ist die Darmflora durch jahrelanger mangelhafter Nahrungszufuhr beeinträchtigt (z. B. aufgrund von hektischer Nahrungsaufnahme und ungesunden Lebensmitteln), beeinflusst dies den Stressfaktor und schädigt die Gehirnstrukturen. Folglich ist man in einem dauerhaften Stresszustand. Durch die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol werden die Nervenverbindungen im Gehirn stark geschädigt. Die Aktivität des Verdauungstraktes sowie der Blutzuckerspiegel und der Blutdruck werden erhöht, sodass sich der Darm folglich in einem stetigen Krankheitszustand befindet. 

Schlechte Nahrung → kranker Darm → belastender Stress sowie Schädigung der Nervenzellen → kranker Darm

Ein ewiger Kreislauf entsteht, aus dem man nur mit professioneller Unterstützung und geeigneten Heilmitteln wieder herauskommt. 

Wie kann man dem Ganzen entgegenwirken?

Ein kranker Darm ist in den meisten Fällen die Ursache für die Gemütsschwankungen, den geringeren Stresspegel und die mangelhafte Gehirnleistung. Nur eine gesunde Darmflora schützt unser Gehirn vor etwaigen Entzündungen und schädlichen Zell-Abfällen. 

Da jeder Mensch eine individuelle Darmflora und damit unterschiedliche Darmbakterien – ähnlich der DNA – hat, ist es äußerst schwierig, genau die eine Lösung für das Problem zu finden. Daher sind auch die Präventionsmöglichkeiten nicht deutlich einschätzbar. Die folgenden Ansätze sind die erfolgreichsten Behandlungsmethoden in Bezug auf eine defekte Darmflora. 

Regelmäßige Bewegung

2-3 mal pro Woche Sport, sei es Kraft- oder Ausdauersport, vor allem auch Pilates und Yoga regen die Darmtätigkeit positiv an. Der ganze Körper wird ausgepowert, es befreit von negativen Stressfaktoren und erhöht die Ausschüttung des essentiellen Glückshormons Serotonin.

Ausgewogene Ernährung

Die Vielfalt an Gemüse- und Obstsorten macht es leicht, den “Regenbogen” zu essen, worin alle notwendigen Makro- und Mikronährstoffe enthalten sind. Sie sind essentiell für alle Körperfunktionen, insbesondere jedoch für den Darm, damit dieser alle Lebensmittel “ordentlich” verdauen kann. Auch Vollkorn-Produkte sind sehr wertvoll. Um die Darmflora besonders gut aufzubauen, hilft es, über fermentierte Lebensmittel gesunde Mikrobakterien in den Darmtrakt zu befördern. Sauerkraut, Kombucha, Kimchi, Kefir sind nur einige von vielen fermentierten Lebensmitteln. Natürlich ist die 80/20-Regel hier von Bedeutung: 80% gesunde Lebensmittel, 20 % Süßes, Frittiertes etc. 

Koffeinkonsum reduzieren

Der Koffeingehalt im Kaffee, Tee, dunkler Schokolade, Cola, Energy Drinks oder gar in Erkältungsmedizin beeinflusst je nach Menge die Darmflora äußerst negativ. Sobald Koffein in den Blutkreislauf gerät, wird dem Darm “anbefohlen”, den Verdauungsprozess abzubrechen und alle Restbestände sofort über den Dickdarm auszuscheiden. Dadurch gehen wertvolle abbaubare Nährstoffe verloren und der Darm wird durch den Ausnahmezustand enorm belastet. Geschieht dieser Vorgang regelmäßig, wird der Darm stark geschädigt. Es ist also vernünftiger, den Koffeinkonsum strikt zu reduzieren. 

Schlaf und Ruhephasen

Ausreichend zu schlafen und regelmäßige Ruhephasen zu gönnen, ist nichts Neues. Im Schlaf ruht die Verdauung keineswegs. Der Darm kann endlich alle wichtigen Prozesse “in Ruhe” abarbeiten, die im hektischen Alltag mit stetiger Nahrungszufuhr nicht möglich sind. Während dieser Ruhephase beginnt vor allem der Reinigungsprozess des Darms. Alle Schadstoffe werden erkannt und in den Dickdarm verschoben. Auch kann sich der Körper im Schlaf insgesamt regenerieren, wenn das Gehirn die Tagesereignisse verarbeitet und der Körper durch die Zellteilung eine Schönheitsbehandlung erfährt. 

Fasten

Ein oft übersehenes Heilmittel, wenn es um körperliche, insbesondere aber Magen-Darm-Beschwerden geht. Ähnlich wie in der Schlafphase wird auch hier die Darmtätigkeit reguliert. Durch das Ausbleiben von Nahrung und/oder Flüssigkeit wird die Aktivität des Darms heruntergefahren und die Gehirntätigkeit erhöht. Da die Verdauung die meiste Energie des Körpers verbraucht, verbleibt während des Fastens mehr Energie für das Gehirn. Es kann dadurch gezielter Leistung vollbringen und muss sich nicht mit zahlreichen Signalen aus dem Darmtrakt “herumschlagen”. Der Darm kann sich regulieren und vor allem “reinigen”, sodass sämtliche Darm-Beschwerden reduziert werden können. 

Darmsanierung

Wenn nichts mehr hilft, ist eine Darmsanierung der nächste Vorgang. Durch gezielte Pro- und Präbiotika wie auch Milchsäurebakterien im Joghurt oder in fermentierten Lebensmitteln kann der Darm mit Hilfe dieser Nahrungsmittel die Darmflora wieder aufbauen. Sie dienen den bedeutenden Darmbakterien als Nahrungsquelle und fördern die Verdauung. 

Hinweis

Da, wie oben beschrieben, jeder Mensch eine andere Darmflora besitzt, ist das Ausprobieren verschiedener Regulierungsmethoden eine Möglichkeit, aus dem Kreislauf der “Selbstzerstörung” herauszukommen. Ein Besuch beim Hausarzt oder Gastroenterologen wird weitere nützliche Erkenntnisse und Strategien bringen, die eventuell geeigneter für den Heilungsprozess sind. Sobald die Darmflora wieder im Gleichgewicht ist, kann mit dem Überprüfen der Stressfaktoren begonnen werden. Hilfreiche Methoden sind im folgenden Blogbeitrag zusammengefasst. 

ncl

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Eine Antwort

  1. 17. Februar 2020

    […] Ernährung ist ebenfalls ein nicht unbedeutender Aspekt, um Dauerstress zu mindern. Denn, wie in diesem Blogbeitrag beschrieben, verursacht der Darm in den meisten Fällen die Stresszustände in unserem Körper. Gesunde und […]

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