Das Selbstlerner-Prinzip: was die digitale Lernwelt möglich macht

Digitales Lernen
Digitales Lernen ermöglicht uneingeschränkten Erwerb von Wissen und Fähigkeiten.

Lebenslanges Lernen ist immer noch unser natürliches und unbewusstes Verlangen. Das World Wide Web mit seiner täglichen Informationsflut kann dieses Verlangen jedoch leicht betrüben. Das damit unmittelbar zur Verfügung stehende Übermaß an Information kann also schnell überfordern. 

Die digitale Revolution hat jedoch auch einen enormen Vorteil: jeder kann sich sofort und unmittelbar Wissen aneignen. Bis auf das Aussieben und Verfeinern der o.g. Informationsflut hat man keine Hindernisse mehr zu überwinden. Und noch viel mehr: man kann sich neue Kompetenzen aneignen, ohne zeitlich gebunden oder gar auf eine “professionelle” Lehrkraft vor Ort angewiesen zu sein – das “Selbstlerner-Prinzip”. 

Urvertrauen in die Selbstlern-Fähigkeiten

Nur ein tiefgreifendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und vor allem in das selbst gesteuerte Lernen ist hierbei Grundvoraussetzung. Schon im Kindesalter lernen wir Spiele oder Sprachen durch bewusstes Beobachten und Hinterfragen. Wir saugen förmlich alles auf, was dazu dient, das notwendige Wissen im selbst gewählten Bereich zu erwerben. Eigenmotivation und Selbstbestimmung sind demnach ein in uns tief verwurzeltes Verlangen – vor allem, wenn es darum geht, essenzielle Kenntnisse und relevante Information zu einem Thema zu erhalten, das im eigenen Interesse liegt. 

Um später im Arbeitsleben beispielsweise Problemfälle lösen und mit immer neuen Ideen und Innovationen behandeln zu können, ist heute neben einem guten Portfolio auch eine Kompetenzen-Erweiterung mit digitaler technologischer Hilfe signifikant und entscheidend, wie auch in diesem Blogbeitrag bereits beschrieben. 

Wie lernen wir also in einer Gesellschaft, in der das Wissen von überall aus abrufbar ist?

Der Wandel der Lernmethoden

Lernmethoden müssen sich wandeln, so wie der Wertewandel stetig wahrnehmbar ist. In unserer Wissensgesellschaft richtet sich der Fokus nicht mehr auf das Wissen allein. Das Verstehen, “wie” wir mit dem verfügbaren Wissen umzugehen haben, ist Bestandteil unserer neuen Lernmethoden. 

Man erinnert sich noch an die “Computer”-Sitzungen der Schulzeit. Statt methodisch alles an der Tafel abzuarbeiten, versuchten die Lehrer dem Schülerplenum das Lehrmaterial anhand von Lernprogrammen zugänglich zu machen. Doch die Umsetzung schlug fast immer fehl. Aufgrund eines einzigen Denkfehlers: statt die Möglichkeiten des Computers für “Selbstlerner” umzufunktionieren, ersetzte dieser lediglich 1:1 die “Tafel”. 

Doch genau dieser Modus des “selbst gesteuerten Lernens” ist das, was uns die heutigen Apps und Programme schmackhaft machen: zeit- und ortsunabhängig, so viel wie einem beliebt, zu lernen sowie Kompetenzen in Eigenregie aufzubauen. 

Und wenn man ehrlich ist, weiß man ganz genau: wenn eine Sache oder ein Thema persönlich äußerst relevant ist, dann lernt man stunden- oder tagelang immer wieder weiter an dem Thema, bis man den Wissenshunger komplett gestillt hat. Das bedeutet, dass wissbegierige Selbstlerner nicht in einem verschulten System lernen können (oder nur bedingt), sondern orts- und zeitunabhängig in einem Lernpensum, das derart individuell sein muss wie es jeder einzelne Mensch auf dieser Erde ist. 

Kompetenzen-Erweiterung

Jeder kann sich heutzutage zu jeder Zeit und an jedem Ort eine neue Kompetenz aneignen. Das ist so einfach wie noch nie. Für jede Fertigkeit gibt es heute tausende von Youtube-Videos, die einem zeigen, wie und wann man was macht. Oder tausende Apps, die einen spielerisch Fähigkeiten erlernen lassen. Will man beispielsweise ein Musikinstrument erlernen, kann man sich mit Apps gezielt die musikalische Kompositionsweise aneignen. 

Folgen noch etwaige Youtube-Videos zur überschaubaren Übungsroutine der eigenen Hörkompetenz und noch weitere Selektionen aus einem Selbstlerner-Online-Programm zum individuellen Instrumenteneinsatz und zur Taktangabe hinzu, ist die musikalische Kompetenz in den Grundzügen erworben. Heutzutage ist also mit der digitalen Komprimierung und Vereinfachung der Lernoptionen nahezu alles möglich. Denn benötigt man eine Information, sind Google, Wikipedia und Youtube die erste Wahl geworden. 

Virtual Learning

Etliche Firmen nutzen bereits viele der digitalen Lernvarianten, um ihr Personal in deren Fähigkeiten direkt zu schulen. Um dafür nicht noch mehr interne oder gar externe Coaches bestellen zu müssen, wird immer mehr in Digitales Virtuelles Lernen investiert. Firmenschulungen variieren über eigens angelegte Lern-Software, ausgewählte Online-Seminare oder über E-Learning-Apps. Abgerufen auf Tablets oder gar VR-Brillen, wird von den Mitarbeitern heute schon die Selbstlerner-Kompetenz erwartet und im Selbstlern-Modus die gewünschten Fähigkeiten erarbeitet und schließlich verinnerlicht.

Die Möglichkeiten der Interaktivität ist das, was Firmen eindeutig überzeugt, in die digitale virtuelle Lernwelt zu investieren. Denn es ist wohlbekannt, dass man am besten in einem interaktiven und flexibel gestaltbaren Raum lernt. Je mehr Sinne gleichzeitig während der Lernphase angesprochen werden, desto wirkungsvoller und langanhaltender ist das Lernergebnis. Reines Wissen aufzunehmen, ohne es ad hoc anzuwenden, bleibt “ungenutzte” Information. Denn deren Nutzen “erschließt” sich dem Gehirn nicht, sodass sie über kurz oder lang wieder verlernt wird. Doch durch Interaktion anhand eines Software-Programms auf dem Tablet oder mit einer VR-Brille ermöglicht die Visualisierung und die direkte körperliche Anwendbarkeit die Langzeitspeicherung aller erlernten Vorgänge im Gedächtnis. 

Interaktivität und unmittelbare Anwendbarkeit bewirken den Lernerfolg.
Interaktivität und unmittelbare Anwendbarkeit bewirken den Lernerfolg.

Virtuelle Konferenzen sind ebenfalls bereits zum täglichen Geschäft geworden, um ortsunabhängige Meetings zu schaffen. Digitale Nomaden arbeiten beispielsweise selten in den Firmenbüros vor Ort. Vielmehr sind sie global in Home-Offices oder Co-Working-Spaces zugegen und können damit nicht zu spontan einberufenen Meetings eintreffen. Aus diesem Grund sind virtuelle Konferenzschaltungen mit geeigneter Meeting-Software die ideale Alternative geworden – wenn sie nicht schon der Standard sind. 

Netzwerken ist die Devise

Online-Plattformen bieten ebenfalls die Möglichkeit, von- und miteinander zu lernen. Darum vernetzen sich Selbstlerner auf entsprechenden Lernkanälen sowie in virtuellen Klassenräumen. Netzbasiertes Lernen ist hier das Stichwort. Es gibt zahlreiche Plattformen, die zu fast jedem Thema eine Community anbieten, über die man sich mit gleichgesinnten Selbstlernern vernetzen kann. Sie eignen sich gemeinsam auf unterschiedlichen Lern-Niveaus in einem selbst gewählten Lern-Tempo die gewünschten Kenntnisse an, indem sie sich durch gezielten Austausch mit den anderen Teilnehmern gegenseitig helfen, aufbauen, Fragen beantworten oder stellen können. Dies steigert die Motivation, belebt die notwendige Selbstdisziplin und ermöglicht einen erweiterten nicht unerheblichen Daten- und Materialienzugang. 

Im Bezug auf den Fremdsprachenerwerb hat das bewusste Netzwerken einen deutlichen Vorteil. Die Kommunikation in den Social Media erleichtert die praxisnahe Anwendung der neuen Sprache. Jede Sprache kann heutzutage dadurch noch leichter von zu Hause erlernt werden. In ruhiger Lernatmosphäre zum selbst gewählten Zeitpunkt mit geeigneter Lernsoftware, mit Lernbüchern, Lernvideos von Youtube oder über Videochats ist jeder im Stande sich eine Sprache in Eigenregie anzueignen. Vor allem in internationalen Kollaborationen erleichtert dies die Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft. Es reichen meist sogar schon Grundkenntnisse der Sprachen aus, um schließlich mit Hilfe von Übersetzungs-Apps den Kern der Aussagen zu vermitteln.

Selbstdisziplin und Motivation

Wer etwas mehr den “schulischen” Raum benötigt, um seinen Selbstlerner-Ehrgeiz zu wecken, dem sind Webinare oder virtuelle Klassenräume ans Herz gelegt. Diese bieten mehr den schulischen Charakter, indem regelmäßig Input von Lehr- oder Fachkräften online gestellt werden und man indirekt dazu angehalten wird, die Aufgaben zeitnah zu bearbeiten. Auch viele Apps bieten durch Lern-Spiele mit interaktiven Quizzen oder Modulen eine geeignete Lernumgebung, um motiviert in einem stetigen Selbstlerner-Prozess erfolgreich zu sein. 

Selbstdisziplin und Motivation gehen immer mit dem eigenen Antrieb beruflichen oder wirtschaftlichen Fortschritts einher. Wichtig dabei ist immer, den Fokus des “Verstehens” nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht die Menge an neuem Faktenwissen ist ausschlaggebend, sondern die Fähigkeit, die Methodik und die Zusammenhänge innerhalb der neu erworbenen Kompetenz beurteilen und verstehen zu können. Dazu bietet das World Wide Web heutzutage das nötige Hintergrundwissen. Die Eigenmotivation und Selbstdisziplin kommt von ganz allein. Will man wirklich etwas wissen oder lernen, wird lediglich ein Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten benötigt. Es braucht nur einen Funken Mut und der Rest ist Selbstvertrauen. 

Wettbewerbsfähig bleiben

Die digitale Lernwelt mit den netzbasierten Communities ermöglicht also ein individuelles, zeit- und ortsunabhängiges Lernen. In einem Pensum, das individuell ausgewählt und auf das eigene Niveau abgestimmt ist. Dadurch hat die neue Generation der Selbstlerner in unserer Wissensgesellschaft die Chance, flexibel und selbst gesteuert, im eigenen Interesse Fertigkeiten zu erarbeiten oder auch weiterzugeben, um im temporären Wandel des Arbeitsmarktes wettbewerbsfähig zu bleiben.  

ncl

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