Die Arbeitswelt von morgen – wie Digitale Nomaden die Zukunft (vor)leben

Digitale Nomaden arbeiten überall, manchmal auch auf dem Meer.

Im aktuellen Informationszeitalter steht seit dem Durchbruch der Neuen Medien nicht mehr das Was, sondern das Wie im Fokus der sich ändernden Arbeitswelt. Denn mit der Digitalen Revolution wurde uns der Zugang zum Wissen durch das Internet ad hoc zur Verfügung gestellt, sodass sich Jedermann von überall und zu jeder Zeit bei Bedarf unmittelbar Wissen aneignen kann. Nicht, was wir lernen und an Informationen sammeln, sondern wie wir damit umgehen, ist Hauptbestandteil der neuen Wissensgesellschaft. Das Anhäufen von Fakten, so wie es noch im Industriezeitalter zum Status gehörte und als berufliche Referenz der Karriere dienlich war, hat demzufolge kaum noch Wert. Doch welche Werte sind nun in der Arbeitswelt von morgen ausschlaggebend? Wie werden wir in naher Zukunft arbeiten?

Vertrauen auf das eigene “Können”

Unsere Kompetenzen richten sich immer nach dem Angebot-und-Nachfrage-Prinzip. Und mit der Digitalisierung fast aller Lebensbereiche ist das Angebot variabel geworden. Das bedeutet, dass wir lernen müssen, uns nicht auf unser angehäuftes Wissen auszuruhen. Wir müssen es erweitern und so gestalten, dass wir uns stetig neue Kompetenzen, auch fächerübergreifend, aneignen, um global wettbewerbs- und konkurrenzfähig zu bleiben. 

Was früher der Marktschreier, Bäcker oder Müller zu seiner Berufung brachte, war die Eigeninitiative und Selbstständigkeit. Ein Unternehmertum auf höchster Selbstdisziplin, mit Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Mit der Industrialisierung versiebte der Nutzen der “Gründer”. Monotone Arbeit, sei es am Fließband oder im Büro, erforderte eine andere Form an Arbeitswerten. Der Fokus lag im reinen Wissens- und Fertigkeits-Erwerb bezüglich eines einzelnen betrieblichen Teilbereichs, um die stets konforme Arbeitstätigkeit Tag für Tag in immer gleichbleibender Anwendung zu absolvieren. Eine individuelle oder kreative Eigenleistung war lediglich zur Optimierung des Arbeitsganges angebracht. 

In der heutigen Wissensgesellschaft geht ein erneuter Werte-Wandel vonstatten. Weg von reinen Arbeits-”kräften”, wieder hin zu eigenständigen, flexiblen, mit mehreren Fertigkeiten ausgestatteten Unternehmern, die oft als “Digitale Nomaden” betitelt werden.

Wie arbeiten Digitale Nomaden?

In unserer vernetzten Gesellschaft muss folglich wieder weit mehr in Eigenständigkeit und Selbstdisziplin investiert werden als je zuvor. Das macht es Selbstständigen, Freelancern und Freiberuflern heute so attraktiv, dass sie ihre persönlichen Kompetenzen in Eigenregie zur Verfügung stellen können, ohne von Tür zu Tür zu hangeln. Vielmehr erlaubt das Netzwerken über Social Media unentwegtes Anklopfen bei potenziellen Kunden per Mausklick. Und das von einer einzigen IP-Adresse aus.

Soziale Geschäfte sind also die Geschäfte von Heute, nicht erst von morgen. Denn Online-Dienstleistungen sind ein stetig wachsender Werte-Anteil. Allein die uns all umgebende Werbung betrifft zu 99 % nur noch Online-Dienste. Der Wandel hin ins digitale Werte-Schaffen ist ohne das Soziale Netzwerken folglich hinfällig.

Über Open-Publishing bekommt jeder nun die Möglichkeit, seine Kreativität und Kompetenz, in welchem Bereich auch immer, öffentlich kundzutun. Open-Source-Plattformen bieten reichlich Info-Material bezüglich der Web-Gestaltung, Blogs oder Social Media ermöglichen die globale Reichweite im Netz, über SEO erlangt man zu einer guten Google-Platzierung, wodurch das virtuelle Unternehmertum in Null-Komma-Nix aufgebaut ist. Das Schalten von Werbung erfüllt als letzten Punkt die Grundlagen des Win-Win-Prinzips. 

Der Raum- und Zeitfaktor in der beschleunigten digitalen Welt

Die große Verantwortung und bewusste Autonomie in der neuen beruflichen Herausforderung bestimmt auch den Zeit- und Raumfaktor. Home-Office oder Gleitzeit wirken dabei schon veraltet. Denn die Flexibilität der Arbeitsstunden ist weit mehr als nur ein Win-Faktor. Zeit und Raum sind nun keine Begrenzung mehr. Das virtuelle Werte-Schaffen ermöglicht eine Unabhängigkeit im Zeit-und-Raum-Management. Das ist es, was Digitale Nomaden enorm antreibt. Sie können zu Hause, auf Reisen, in anderen Ländern, im Dschungel oder gar auf dem Meer arbeiten. Vorausgesetzt, das WLAN ist stark genug.

Im virtuellen Raum kommen die “Mitarbeiter” zu Online-Meetings zusammen und erarbeiten, mit ihren jeweiligen besonderen Kompetenzen, das anstehende Projekt. Die Projektarbeiter sind meist nicht mehr dem Unternehmen zugehörig, sondern freischaffend. Das heisst, ihr Arbeitsort ist nicht mehr festgelegt. Sei es im Home-Office, Co-Working-Space oder gar in einem der hippen Cafés, in dem das “Laptop-Arbeiten” sogar erwünscht ist, um das Netzwerken der Digitalen Nomaden noch stärker zu pushen. Spezielle Profile auf entsprechenden Online-Plattformen oder in Apps erleichtern das Kennenlernen im vernetzten Raum. Der Arbeitsplatz ist damit frei beweglich und folglich unabhängig vom jeweiligen Firmenstandort. So kommt es, dass einige Digitale Nomaden global verstreut sind und dank des virtuellen Raums dennoch zu einem Projekt zusammenkommen können. 

Teamarbeit von morgen

Teamarbeit, die Ausführung eines gemeinsamen Projekts unter autonomer Führungsgestaltung mehrerer beteiligter Personen, so wie es bisher verstanden und praktiziert wird, ist zukünftig kaum noch möglich. Die Arbeitsaufteilung gelingt nicht mehr durch mehrere ähnliche Fachkräfte, sondern durch die Kombination ihrer jeweiligen Kompetenzen; und zwar unabhängig voneinander. Das gemeinsame Grübeln an einem Tisch sitzend, um eine Lösung für ein Problem zu finden, wird ersetzt durch das virtuelle Kommunizieren über die Ländergrenzen hinaus. Das Global Networking macht‘s möglich.

Teamfähigkeit bleibt im sozialen Gefüge als Soft Skill also erhalten, verlagert sich lediglich ins Virtuelle Netz. Dank der Online-Konferenzen oder Networking Tools der Social Media ist die Kommunikation und Arbeitszeit rund um die Uhr theoretisch umsetzbar. 

Soft Skills sind die neuen Werte

Wie oben bereits beschrieben, sind Anpassung und Flexibilität auf dem gesamten Arbeitsmarkt auszuweiten. Die Persönlichkeitsentwicklung steht hier nun an erster Stelle, die sog. Soft Skills, die sozialen Verhaltensmuster im Umgang mit Menschen. Nicht mehr „nur“ der Uni-Abschluss oder die Job-Referenzen sind hier der Kern. Sondern die Fähigkeiten, mit immer neuen Arbeitssituationen und -orten umgehen zu können, verschiedene Wissensquellen heranzuziehen oder gar lingual sich neu zu qualifizieren. Eigenständigkeit und Selbstdisziplin, mit dem Vertrauen auf das eigene Können, müssen nun erlernt oder gar verstärkt werden. Eigenmotivation und ein ureigenes Pflichtbewusstsein sind u.a. die Voraussetzungen für einen gelungenen Start ins Digitale Nomadenleben. 

Qualifikation allein genügt also nicht mehr. In der Wissensgesellschaft ist nur ein soziales Gefüge von sozial kompetenten Wissens-Gestaltern in der Position, das neue Zeitalter erfolgreich voranzubringen. Die Digitalen Nomaden haben diese Werte längst erkannt und leben ihre Wirklichkeit von kreativer Selbstständigkeit und bewusster Autonomie im Hier und Jetzt bereits aus. 

ncl

Quelle und Ideengeber: Die Gesellschaft der Wissensnomaden, hrsg. von John W. Moravec. Verlag: tologo, Leipzig 2019. 

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2 Antworten

  1. 30. September 2019

    […] mit digitaler technologischer Hilfe die nun signifikante Entscheidung, wie auch in diesem Blogbeitrag bereits […]

  2. 20. Dezember 2020

    […] damit sich die eigene Persönlichkeit in Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen frei entfalten kann. Digitale Nomaden leben es beispielsweise vor. Unabhängig von Zeit, Ort und einem festen Unternehmen […]

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