Wann das Scheitern vorprogrammiert ist

Erfolg und Misserfolg liegen nah beieinander.

Es gibt viele Ratgeber über das Wo und Wie des Arbeitens und Lernens, über den Ablauf sowie die Strukturierung oder gar Zielgebung des Erarbeiteten bzw. Erlernten. Zwischen all den vielfältigen Methoden findet jeder Wissenssuchende reichlich Informationen zur Vorbereitung, Organisation und besonders zum Zeitmanagement wichtiger Projekte.

Aber eines wird oft unterschätzt und führt letztlich meist doch zum Scheitern: die persönliche Einstellung. Denn auch mit der besten Vorbereitung an Aufbau, Ausführung und Zeitstruktur scheitern die Projekte schließlich fast immer an dieser einen besagten Sache. Folgende drei Formulierungen sind häufig der Grund für das voraussichtliche Versagen und zeigen eine falsche Einstellung zum Unterfangen auf:

1. Ich fange morgen an.

Die häufigste Floskel bei der bekannten Prokrastination und der bekannteste Fehler, warum das Scheitern vorprogrammiert ist. Durch das häufige Aufschieben des Projektbeginns verändert sich die Zeiteinteilung bis zur Deadline, sodass in weniger Zeit viel mehr erarbeitet werden muss. Dies führt zu noch mehr Druck und persönlichem Stress bis hin zu Burnout. Bereits hier zeigt sich also, dass der Fokus der Intention nicht richtig liegt.

Man muss sich demnach fragen, warum es wohl zum ständigen Hinauszögern kommt. Die Antwort liegt nahe: weil das Unterfangen einem offensichtlich nicht wichtig genug ist. Wenn etwas wichtig ist, erledigt man die Sache sofort. Wenn dem nicht so ist, bleibt die Arbeit liegen. Die Startschwierigkeit liegt hier somit eindeutig in der Wertigkeit zum anstehenden Projekt. Liegt der persönliche Wert im zu erzielenden Gehalt, in der zu erreichenden Referenz oder gar im Aufbau nützlicher sozialer Kontakte? Egal, um welches persönliche Ziel es sich handelt, die eigene Einstellung sollte immer im Zusammenhang mit dem Wert gewählt werden, das es zu erreichen gilt. Durch diesem Fokus beginnt man schließlich nicht erst morgen, sondern automatisch bereits heute mit der Umsetzung.

2. Es bereitet mir keine Freude.

Mit Sätzen wie „es macht mir keinen Spaß“ blockiert man sich nur selbst. Schlechte Tage, an denen der Antrieb fehlt, gibt es immer wieder. Blockaden bedeuten jedoch nicht sofort einen Abbruch, um sogleich alles hinzuschmeißen und sich unter der Bettdecke zu verkriechen. Man ist lediglich ausgepowert und darf sich eine kurze Auszeit nehmen, um wieder Energie zu tanken oder den Kopf frei zu bekommen. Der Körper ist schließlich kein Automat, auch wenn man dem oft Glauben schenken mag. Je nach persönlicher Belastungsgrenze benötigt er, vor allem das Gehirn, ein kleines Time-Out. Ein Spaziergang an der frischen Luft, eine kurze Dusche oder Ablenkung durch einen Café-Besuch helfen enorm. Mit nun neu gewonnener Energie ist der Körper erneut ausgeglichen und kann wieder produktiver arbeiten.

3. Niemand hilft mir. Keiner motiviert mich.

Wie oft denkt man unbewusst diese Sätze und versteht doch nicht, welch schwerwiegenden Fehler die persönliche Einstellung hier offenbart: die persönliche Zukunft und das eigene Wohlbefinden in die Hände anderer Leute zu legen. Wenn man die Verantwortung für sich bei jemand anderen abgibt, wird die Sache niemals genau so verlaufen, wie man es sich vorgestellt hat. Jeder besitzt unterschiedliche Präferenzen und Valenzen, legt den Fokus auf ein anderes Detail, bevorzugt variable Zeitstrukturen, sodass der veränderte Fokus der unterstützenden Person nur zu eigenem Frust und Ärgernis führt. Am Ende schiebt man folglich das Scheitern auf denjenigen, der einem „helfen“ wollte.

Man könnte sich als Hilfestellung Folgendes sagen: Wenn es DEIN Wille ist, DEIN Wunsch, dass so und so etwas geschieht, dann bist auch DU allein dafür verantwortlich. Niemand sonst. DU allein musst für DEIN Wohlergehen und DEINE Zukunft sorgen, denn es ist DEIN Leben. Nur DU weißt, was DU willst und DIR wünschst.

Wenn man die Verantwortung abgibt, zeugt dies meist von erheblich großer Faulheit und Bequemlichkeit. Man ist zu faul und zu bequem, sich um sich selbst zu kümmern und überlässt es lieber anderen. Auf diese Weise wird man jedoch nie oder nur im geringen Maße seine Ziele erreichen und erfolgreich sein.

Die Intention prüfen

Man muss sich also fokussieren: die innere Haltung überdenken, die persönliche Wertigkeit des anstehenden Projekts festlegen. Wenn die innere Einstellung nicht stimmt und man Fehler vermutet, kann man auch zu härteren Maßnahmen greifen und sich selbst belügen. Ja, richtig gelesen: sich selbst belügen. Das Gehirn folglich überlisten und die negative Wertung über den Lernzustand oder das zu Erarbeitende in eine positive umwandeln. Das geht so leicht, dass es schon unglaubwürdig klingt. Jedoch darf dies nicht im halbherzigen Zustand geschehen, denn auf diese Weise hat man noch nie jemanden überzeugt und schon gar nicht das Gehirn.

Das Gehirn überlisten

Die Einstellung ist in dem Maße wichtig, dass es das Gelingen oder Scheitern vorprogrammiert. Schuld ist der Hippocampus im Gehirn, wie in diesem Blogbeitrag bereits beschrieben, gibt es einen „Türsteher“ im Gehirn, den jede Information passieren muss. Dabei entscheidet der Hippocampus, wie eine Information bewertet wird, wodurch das Gehirn einen Fortschritt sowie ein Gelingen favorisiert oder eben nicht. Bei letzterem ist dann das Problem, dass das Projekt nicht mehr in dem Maße im Fokus steht, wie es ursprünglich vorgesehen war.

Also muss man von vorn herein darauf achten, welche Valenz für das Unterfangen besteht und diese bei Bedarf neu fokussieren. Und dies ist ganz einfach: man muss überlegen, welches Ziel und welchen Vorteil nach oder mit dem anstehenden Projekt erlangt werden soll. Mit der wiederholten Zielsetzung und dem Willen, dies aus eben den besagten Gründen zu schaffen, ist das Gelingen schließlich „vorprogrammiert“. Wenn man sich also bewusst macht, mit welcher Intention das Projekt oder das Lernen angegangen wird, kann man folglich mit einfachen und gezielten Überlegungen das Scheitern abwenden.

ncl

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Eine Antwort

  1. 29. Oktober 2020

    […] Schreckt man vor dem Aufwand zurück, etwas für sein Ziel und dessen Erfolg zu tun, ist das Scheitern meist schon vorprogrammiert. Grundsätzlich weiß jeder: ohne Fleiß kein Preis. Dennoch scheint diese Floskel nur halbherzig […]

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